Reiseberichte

Bericht Ornithologische Reise

Hilde Hirsch (68, etwas Unruhe in den begonnenen Ruhestand bringen)

© gk, Blick auf Himmel und Berge

Warum wollte ich ausgerechnet  Kasachstan bereisen?

Da gab es  vage Vorstellungen vom Tien – Shan Gebirge, der Wüste Mojynkum, der Weite der Steppe,  von wilden Kasachen mit spitzen Mützen auf kleinen schnellen Pferden, von gastfreundlichen, singenden,  Dombra spielenden Kasachen – noch in Jurten?

Aber auch von Atomversuchen, vom Weltraumbahnhof, vom geschändeten Aralsee, von den Geschichten der Kasachendeutschen.

Und dann: Zufällig erfahren von Dagmar Schreiber und einer von ihr geplanten kleinen Reisegruppe im Frühjahr im Rahmen ihres noch ziemlich jungen Unternehmens „Kasachstanreisen“ und auch von ihrem Buch „Kasachstan entdecken“.

So war die Neugier geweckt, die Reiselust kam mit dem gerade begonnen Ruhestand sowieso. Also: Anmelden. Planen. Vorfreude.

© gk, in Zhabagly

Unsere Reisegruppe traf sich im Flughafen Amsterdam zum Flug nach Almaty: Unsere Reiseleiterin und wir acht mehr oder weniger bereits Ergraute. Mit  Ferngläsern, Einem mit Spektiv, Einem mit Videokamera  und natürlich Fotoapparaten  im Reisegepäck. Wir wollten uns also Kasachstan von seinen so verschiedenen Landschaften her annähern: Hochgebirge, Mittelgebirge, Steppe, mit seinen Tieren, vorwiegend den Vögeln, mit seinen endemischen Pflanzen. Doch der erste und der letzte Tag war Almaty gewidmet, der schönen Stadt mit  der hohen weißen Gebirgskette im Süden.

Wir wanderten durch  Straßen und Parks, betrachteten Museum, Kirche und Basar, Höhepunkt war der Besuch der Oper. Später in Astana, ließen wir uns von der Prachtentfaltung der neu entstandenen Hauptstadt beeindrucken.

Von Almaty aus fuhren wir im gemieteten Kleinbus hoch in das Schutzgebiet Ile-Alatau und umwanderten den teils noch vereisten Almatiner See in 2500 m Höhe, entdeckten dort die ersten Frühlingsblüher  konnten ausgiebig die blaue Bachpfeifdrossel und sogar den Ibisschnabel beobachten, begleitet von Erlan, dem Imitationsgenie, der das Himalaya-Königshuhn zur Antwort locken konnte.

© gk, Kyz Kuu

Das nächste Ziel war, nach einer Nachtfahrt im Schlafwagenabteil, der Nationalpark Aksu-Zhabagly. Wir waren bestens untergebracht im Gästehaus, Bei den Wanderungen wunderbar begleitet von „Adlerauge“ Mischa. Wir bewanderten verschiedene Täler des Hochgebirges und fanden bei schönem Frühlingswetter eine uns großenteils fremde Flora, wir waren ja hier in der Heimat der Tulipa Kaufmanniana, wir konnten  die Vielfalt der fliegenden, kreisenden, sitzenden, rufenden Vögel beobachten und sogar 2 mal eine Isabell-Braunbärin je mit einem Jungen, durch das Spektiv ganz genau, betrachten.

Ein weiterer Höhepunkt war die Teilnahme an einem Fest mit traditionellen kasachischen Reiterspielen.

An unserem 10. Tag flogen wir von Schymkent nach Astana  und von da ging es im Kleinbus zum Tengis – Reservat, den Seen in der Steppe, wo wir vier Tage diese weite und interessante Landschaft erleben konnten, unter anderem mit Pelikanen, Flamingos, vielen Lerchenarten, Weihen, dem vom Aussterben bedrohten Steppenkiebitz über schönen Iris- und Tulpen-Arealen.

© gk, Beobachtung

Auch Stechmücken. Die Unterkunft bei netten Privatleuten gab uns die Möglichkeit, ausführlicher mit Einheimischen zu reden,  von ihrem Kampf  ums Überleben in der postsowjetischen  Umbruchzeit einen Eindruck zu bekommen.

Überall konnten wir verlassene landwirtschaftliche Betriebe mit verrostenden Maschinen sehen. Die Prachtentfaltung in der Hauptstadt Astana zeigte die andere Seite dieses Landes.

Es war sehr wertvoll, daß unsere so gut informierte Reiseleiterin uns immer wieder detailliert über historische, politische, wirtschaftliche, kulturelle Aspekte des Landes Auskunft geben konnte.

So flogen wir, nach einer weiteren nächtlichen Zugfahrt durch  Kasachstan, von Almaty aus bereichert und erfreut über die wohlgelungene und auch menschlich so angenehme Reise zurück.

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