Einmal Almaty-Talgar und zurück

Die ausgestopfte Bärin sieht so echt aus, dass man verblüfft ist. Das Gesicht scheint zu lächeln, fast möchte man sie streicheln. Die linke Vorderpfote ist erhoben, und angesichts der langen Krallen verebbt der Streichelwunsch dann doch. Selten kommt es vor, erzählt Alexandra Wischnjevskaja, dass Bären sich nahe der Siedlung an Vieh vergreifen. Dieses Exemplar hier versuchte es erfolgreich und wollte danach nicht wieder zur kombinierten Wildapfel-Kleinsäugerdiät zurückkehren. Man musste das Tier erschießen, nun ist es hier inmitten anderer ausgestopfter Vertreter des Tierreiches im Museum des Naturschutzgebietes Linker Talgar zu besichtigen. Das Gebiet ist die Kernzone des Almatiner Nationalparks, der mit 71700 Hektar zu den kleineren Schutzgebieten Kasachstans zählt. Es ist das Schutzgebiet mit der stärksten menschlichen Nutzung, die Belastung der Natur durch den Wochenendverkehr der Großstädter ist immens. In der Kernzone jedoch wird die Anzahl der Besucher streng limitiert. Es gilt, selten gewordene Tierarten wie Schneeleopard, Tienschan-Braunbär, Stachelschwein, Argali und Steinbock, aber auch eine einzigartige Pflanzenwelt vor übermäßigen Eingriffen in ihren Lebensraum zu schützen.

© ds, weinumranktes Fenster

Hier in Lebedinka (Akku), einem Vorort von Talgar, hat die Nationalparkverwaltung ihren Sitz. Das Museum mit der gründlich und liebevoll zusammengestellten Sammlung wird uns von Irina Chomullo gezeigt. Eben waren wir in ihrem Haus in der Nachbarschaft und haben uns das winzige, gemütliche bis unter die Decke mit Büchern, Steinen, Federn und anderen Waldmitbringseln vollgestopfte Gästezimmer angesehen. Das Zimmer ist in gedämpftes grünes Licht getaucht, das ganze Haus ist von Weinreben zugewachsen, die Ranken hängen draußen vor den Fenstern girlandengleich herab. Am liebsten wäre ich gleich eingezogen. Aber wir haben zu tun. Irina stopft uns ein paar ihrer Gartenäpfel in die Tasche und geleitet uns zu Fuß zum nächsten Gästehaus, gleich um die Ecke. In der Nachbarschaft gibt es noch eine dritte gastliche Herberge für Touristen, insgesamt können 12 Personen in den 3 Häusern übernachten, und oben im Tal des Rechten Talgar steht im Sommer noch ein kleines Jurtencamp für 12-16 Personen. Betreut werden die Höuser vom Verein – Sie gehören zum Netz der ländlichen Gästehäuser des Informations- und Ressourcenzentrums Ökotourismus (IRZÖ) in Almaty.

Alles steht erst am Anfang. Irina redet von Remont, auch im Nachbarhaus von Alexandras Sohn ist noch nicht alles fertig. Unerschrockenen können jetzt schon kommen, für 2 bis 4 Personen ist schon Platz. Irinas Mann Oleg war viele Jahre lang Direktor des Nationalparks, er freut sich auf Gäste und brennt darauf, ihnen sein Revier zu zeigen. Er kennt es besser als jeder andere, ist auch heute, nach der Pensionierung, ständig draußen unterwegs und wird nicht müde, Schülergruppen und andere Gäste für den Naturschutz zu begeistern.

© ds, Fluss im Tal

Wir machen mit Alexandra einen Ausflug ins Tal des Rechten Talgar. Hinter dem unlängst fertiggestellten Murenschutzwall müssen wir am Schlagbaum an der Grenze des Nationalparks unser Anliegen erklären und werden freundlich durchgelassen. Alexandra ist unser Joker. Normalerweise muss vor dem Besuch im Gebäude der Verwaltung ein Ticket erworben und ein Guide angeheuert werden. Man nimmt es ernst mit dem Naturschutz, die Wege dürfen nicht verlassen werden, Feuermachen ist verboten – zu viele Waldbrände hat es in den letzten Jahren gegeben. Der Verein � hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, die Touristen durch geduldige Aufklärungsarbeit zum Einhalten der grundlegenden Naturschutzregeln zu bewegen. Nicht vom Weg abkommen, nichts abreißen, nichts wegschmeißen. Das scheint am schwersten vermittelbar zu sein, immer wieder finden wir Müll, klauben ihn auf und nehmen ihn in einer Plastiktüte mit. 40 Tonnen haben Alexandra, Irina und andere Enthusiasten vom Verein im Frühjahr am Rande der Anfahrtsstrecke zum Nationalpark gesammelt und mit LKWs abtransportieren lassen.

Nach ein paar Kilometern lassen wir das Auto auf dem Gelände eines verwaisten Kinderferienlagers stehen und gehen zu Fuß flussaufwärts. Der rechte Talgar donnert uns entgegen. Feine Tröpfchen hängen in der Luft. Es riecht nach Herbst. Wenn wir Zeit hätten, könnten wir bis zur Baumgrenze wandern und von dort einen Blick über die Matten zum Massiv des Peak Talgar werfen. Der höchste Berg des Zailijskij Alatau ist mit seinen Gletschern der Anfangspunkt aller Flüsse auf dieser Seite des Naturschutzgebietes. Aber wir müssen leider heute noch nach Almaty zurück und bleiben in der Mischwaldzone.

Warum Bären hier so nah an die Siedlung herankommen, hat einen guten Grund. In den Tälern wachsen noch zahlreiche Wildobstbäume, darunter der seltene Siewers-Apfel. Die kleinen goldgelben und roten Früchte liegen zentnerweise unter den Bäumen, ideale Kost für die Vollfresszeit vor dem Winterschlaf der Bären. Ich finde, dass die Bären so viel gar nicht aufessen können und stehle ihnen ein paar der winzigen Falläpfel. Sie schmecken ziemlich herb, ich verwerfe den Gedanken an einen längeren Winterschlaf auf Apfelbasis. Lieber komme ich im Winter noch einmal her, quartiere mich bei Irina ein, erkunde die Talgar-Täler auf Skiern und trinke abends Apfelwein und stöbere in der Bibliothek.

Kontakt

Zentrale des Zentrums für Ökotourismus Ecotourism Information Ressource Center

Almaty, ulitsa Tulebajewa 174 / Ecke ulitsa Schewtschenko und ulitsa Kurmangazy

Tel. +7 (727) 2 72 39 60
Fax +7 (727) 2 72 53 63
E-Mail ecocentre.kz@gmail.com, kasachstanreisen@aol.com (deutsch)
Website www.eco-tourism.kz
Öffnungszeiten Mo-Fr 09.00-18.00

Gästehäuser in Talgar

Alexandra Wischnjevskaja

Tel. +7 7274 23656 oder 31050, +7 705 196 60 24
E-Mail: muflon_87@mail.ru, zapoved.68_68@mail.ru